EIN SCHLOSS IN SCHLESIEN Kunstprojekte
POLENHOTEL PAŁAC KRASKÓW - Artists in Residence
Seit 8 Jahren leben und arbeiten wir auf Schloss Krasków - und immer wieder erleben wir neue Abenteuer: Zur Zeit arbeitet eine internationale Künstlergemeinschaft als Artists in Residence auf dem Schloss, um von hier aus Bewegung nach draußen zu tragen. Der Titel: Polenhotel Pałac Krasków. Der Titel der ersten Veranstaltung, die am 7. März 2011 mit großem Erfolg stattfand: THE DAY, WHICH WILL CHANGE THE WORLD OR NOT. Seitdem treffen sich die Künstler immer wieder in Berlin, um zukünftige Projekte vorzubereiten.
AUFRUF ZUM WELTENSIEBEN - Nikolaus Eberstaller über das Polenhotel
Es gibt Zwischenräume, in denen sich mehr Raum bildet als in der unendlich scheinenden Masse darüber und darunter. So eine vibrierende, durchpulste Unterfläche ist das herrenlos beseelte Schloss Krasków in Niederschlesien. An diesem unbegrenzten Ort finden Ursprung und Gegenwart gestern, jetzt, morgen statt. Dieser Zwischenraum ist Gefäß. Nun flüstert Krasków Menschen zu sich, die sich auf das besinnen, was alle sind. Künstler. Das Polenhotel lädt Menschen zu sich, um in ihm, rund um es und in allen Zwischenräumen Atmosphäre in Kunst zu wandeln. Um Krasków mit Verwandlung zu füllen. Während draußen die Welt erstarrt, gilt es durch Transformation den Zwischenraum weiter zu dehnen. Hier in Niederschlesien. Es ist Zeit, nach und in Polen zu reisen, um der Bewegungslosigkeit entgegenzutreten, um Wertgefüge zu stärken, um die Auseinandersetzung mit der Welt wieder von den Logen ins Parkett zu tragen. Lasst uns die Welt durch Krasków sieben. Lasst uns das betrachten, was dabei herauskommt.
An diesem Solarplexus der Welt.
Nikolaus Eberstaller
Krasków/Kratzkau, Juni 2010
POLENHOTEL PAŁAC KRASKÓW - Thomas Gamperl über das Polenhotel
Die von Joseph Beuys 1981 durchgeführte Polenreise hat durch Musealisierung das ursprüngliche gestalterische Ziel eines permanenten Transformationsprozesses von Dingen, Systemen, Aggregatzuständen weitgehend eingebüßt. Um diesen Transformationsprozess fortzuführen und der Erstarrung entgegenzutreten, muss eine zeitgemäße, unabhängige Interaktion, die die Wirkungsgeschichte des erweiterten Kunstbegriffes fortschreibt, gesetzt werden. In der Zeit der negativen Wertetransformation ist es besonders von Nöten, die Idee deserweiterten Kunstbegriffes neu aufzunehmen und mit künstlerischer Arbeit zu füllen, weiter zu entwickeln. Heute ist es mehr denn je notwendig, die Chance, der von Joseph Beuys angestoßenen Entwicklung zu erkennen und nicht durch Starrheit und Musealisierung zu konterkarieren. Um dies zu ermöglichen muss die Polenreise eine Station im ontologischen Sinne erreichen, um sich neu zu gestalten, mehr darzustellen, sich zu formieren und zu formulieren. Station einer Reise ist ein Hotel. Daher ist ein Polenhotel zu installieren, in dem Künstler der verschiedensten Bereiche, im Sinne des erweiterten Kunstbegriffes, Ihren Beitrag dazu leisten, die Polenreise von Joseph Beuys nicht enden zu lassen, sondern das nächste Etappenziel durch Transformation des Jetztzustands anzustreben und zu erreichen.
Krasków – Dorf, Hof, Schloss - mit seiner alten und neueren Geschichte im europäischen, multihistorischen Raum Schlesien - ist der Platz, um die Polenreise und ihre geistige Haltung zu materialisieren. Die Vielfältigkeit dieses europäischen Readymades mit all seinen Mythen, Magien, Möglichkeiten, Unmöglichkeiten, Wirklichkeiten und Unwirklichkeiten hat auf Künstler aus Polen und Europa eine besondere Wirkung, um hier temporär und permanent im Sinne des erweiterten Kunstbegriffs zu arbeiten. Dies insbesonders, da wir uns seit nahezu 20 Jahren bemühen hier eine soziale Plastik als Secret Artists zu gestalten.
Jetzt ist Zeit sich mit dieser Idee zu öffnen, um andere Künstler - Menschen einzuladen, an der Arbeit im sozialen Dreiklang, teilzuhaben und das Polenhotel mit lebendiger künstlerischer Arbeit zu erfühlen und zu ersinnen. Wir laden alle, die den erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys verstehen und an diesem im Polenhotel weiterarbeiten wollen, ein, sich mit Projekten, Ideen, Zuständen, Materien….. an das Polenhotel Krasków zu wenden. Denn: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (E.K)
Lassen wir die wunderbare Reise von Joseph Beuys nicht enden.
Thomas Gamperl
Krasków/ Kratzkau Mai 2010
