Gänseeier, Voodoo und das zweithässlichste Etikett der Welt.

Köln:
 Wir erschrecken mittags den Voodoo-Zauberer Joachim W., der im Restaurant V. (Schloss B.) mit unserem Besuch eine Verdoppelung seiner Mittagsgäste erfährt. Wir entscheiden uns für das kleine Menü und lassen uns von zehn feinen Gängen entern. Es gab nichts zu beanstanden. Leider, denn in der Kategorie ist man gerne kretzat (fies für die Auslandsösterreicher ...). Zurück im Hotel treffen wir auf ein Wesen, dass mit Kniekehlenhängerpluderhosen, balsamiertem Haar und extraterrestrischem Dialekt hüftschwingend für Unruhe unter Minderstjährigen sorgt. Kreischend versuchen sie ihn zu befruchten, während ich über mein Alter reflektiere. Der Fernsehstar Jorge G., erfahre ich später von schnappatmenden, wohlige Gier ausdünstenden Jugendlichen. Wir freuen uns, fernsehlos und damit unbelästigt zu sein sowie auf den nächsten Tag.

Irgendwo in Nordrhein-Westfalen:
 Am Bahnhof werden wir von unseren Künstlerkollegen, den Herren S. und B. mit einer ansatzweisen Fluxus-Darbietung begrüßt. Wir knüpfen dort an, wo wir beim letzten Aufeinandertreffen aufgehört haben und tun Dinge, die man tun muss. Wir fahren nach Schloss Moyland, um Herrn Joseph B. zu begrüßen. Dieser ist allerdings ohne jede Vorwarnung höchst unpässlich (hätte ich doch nur auf Heiner Bastian gehört!). Wir erledigen den üblichen Hamstereinkauf in der Bibliothek und versöhnen uns mit einen Ausflug ins holländische.

Holland:
 Quiches, reifer Gouda und wahrhaft gute Heringe. Wir projektilieren mit konstanten 100 km/h über die Autobahn nach Hause und hören groteskerweise guten Rock dazu. Ich bewundere meinen alten Freund zutiefst, dass er über die beachtenswerte Charakterstärke verfügt, drei einander eigentlich ausschliessende Tätigkeiten zeitgleich auszuführen: 1: Konstante, tempomatfreie Fahrt mit 100 km/h; 2: Peter Framptons Come Alive II (Rock!) hören; 3: ein rostiges Beil schwingen.

Wieder Deutschland:
 Wir besuchen Mme. Christine, die ein französisches Lokal im wohlriechenden Schatten einer neugotischen Kapelle betreibt. Christine ist ausgesprochen charmant und wir schaffen es sogar, dass der einsiedelnde Koch - Christines deutsches Beutegut - einen kurzen Ausfallsschritt aus der Küche wagt, um uns mitzuteilen, wie er die Crème zum brüllen brachte. Sicher nicht mit seinem Temperament, denn das muss er irgendwo zugriffsfrei verstaut haben ...

Tags darauf bestätigt sich mein Verdacht: Es ist durchgesickert, dass wir kommen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass nicht nur das Museum seine Türen hektisch verschweißte, sondern auch der geplante Besuch bei Kollegen wegen niederer Gewalt ebenso abgesagt werden musste, wie der neugierdurchdrungene Termin beim Großsammler. Wir beugen uns uneinsichtig diesen Gemeinheiten und verbringen einen wunderbar entspannten Nachmittag ohne Kunst, Kultur oder anderen Nischenprodukten bei Frau M. und Herrn T. Dort erkenne ich die wahren Qualitäten eines Beagles. Dieser besitzt die Seelenstärke, sich als exzessivsten Ausdruck seiner Animalität mit dem Wälzen auf einer winzigen Vogelfeder zufrieden zu geben. Mein sehr geschätzter hündischer Begleiter Pinsel benötigt hierzu zumindest Jauche im Großgebinde, wenn nicht sogar die gut abgelegene Ausscheidung einer magenkranken Dogge.