Kategorie: Genießbar
10.11.2010

BROTOTYP oder DAS BESTE ESSEN MEINER WELT.


Das ist es. Das beste, was ich je gegessen habe: Ein Laib Brot, selbstgebacken irgendwo am Rande eines Naturschutzgebietes in Nordrhein-Westfalen, von einem Menschen, der das, was andere so inflationär gebrauchen, wahrhaft hat: Begabung.

Form
Klassisch, mit einem sehr dezenten Schriftzug als Hochrelief, der die Urheberschaft verrät. Man erkennt die vorindustrielle Machart bereits rein optisch.

Farbe
Wundervoll. Alle Töne unserer Erde. Die Hochzeit der Erdkruste mit der Baumrinde. Schwarz- und Brauntöne, Umbra, Ocker in allen Nuancen bis hin zum feinen creme- und kreideweiß.

Gefühl
Unendlich warm, auch im erkalteten Zustand. Als ob du deine Wange an eine sonnenwarme Eiche schmiegst.

Geruch
Unbeschreiblich, logischerweise. Wüsste ich nicht, dass mein lieber Freund die Welt bereist, so würde ich es spätestens jetzt erahnen müssen. Das Gewürzsubstrat des Erdballes. In Summe ein unvorstellbar guter Geruch. Vieles davon an einem Brot noch nie gerochen.

Haltbarkeit
Wer das große Glück hat, ein Brot mit solch einer großen Seele in seine Hände zu bekommen, der kann sich beruhigen - vierzehn Tage und mehr bleibt das gute Stück in bester Kondition. Natürlich verändert es sich - davon profitiert das Mundgefühl (soferne man so etwas pflegt). Das Kauen wird zum meditativen Erlebnis.

Wirkung
Man schiebt die Tageszeitung beiseite, kann weder Radio- noch sonstwas hören und versinkt im eigenen Mund. Es wird unmöglich, schlechte Energie zu verströmen, weil man gerade von einer Übermacht guter Energie überwältigt wurde. Man ergibt sich in Zufriedenheit.

Ideale Begleitung
eben dem wichtigsten Speisenbegleiter - dem nahestehenden Menschen: Butter, milder Käse, ein wenig Schnittlauch. Ein feines Bier, ein Gläschen Wein oder aber für Puristen: Wasser! Später dann, wenn man sich das Brot ergessen hat, kann man zu experimentieren beginnen und wird bald feststellen: Alles was Qualität hat, passt. Dazu gehören auch solche freudigen Ereignisse wie (echte) holländische Heringe, reifer Ziegenkäse oder aber für den convenienceunerschrockenen Dosenöffner: Nuri.

Dieses Brot ist wundervoll. Hätte ich keine andere Wahl, ich würde das Geld für einen zehngängigen Abend in Michls besten Häusern in solch einen Laib Brot investieren. Und hätte gewonnen.

Wer sein Maul so dehnt, der sollte den Worten Taten folgen lassen - und so habe ich meinem weisen Freund vorgeschlagen: eine Zeichnung von mir gegen einen Laib Brot von ihm. Glücklicherweise hat er zugesagt.

Das tausendachtundvierzig Kilometer in Begleitung seines Schöpfers angereiste Brot. Daneben eine Pfeffermühle, beigepackt für mein Wohlbefinden.

Das tausendachtundvierzig Kilometer in Begleitung seines Schöpfers angereiste Brot. Daneben eine Pfeffermühle, beigepackt für mein Wohlbefinden.